Qualitätsmanagerin prüft ein Validierungsprotokoll vor einem Reinraum hinter Glas (KI-Symbolbild)
KI-Symbolbild, keine reale Person

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Computersystemvalidierung: GxP, CSV und GAMP 5

In regulierten Branchen fallen Kürzel wie GxP, CSV, GAMP 5, Annex 11 und ALCOA+ ständig, erklärt werden sie selten. Dieser Ratgeber ordnet sie für Entscheider ein: was die Regeln verlangen, warum Infrastruktur qualifiziert und Anwendungen validiert werden und woran Sie erkennen, ob Ihre IT einer Inspektion standhält.

  • GMP, GLP und GCP eingeordnet
  • GAMP 5 mit Softwarekategorien
  • Datenintegrität nach ALCOA+

GxP als Sammelbegriff

Good Practice für Herstellung, Labor und klinische Prüfung.

CSV als Nachweis

Dokumentierter Beleg, dass ein System reproduzierbar funktioniert.

GAMP 5 mit Kategorien

Der Aufwand richtet sich nach Risiko und Art der Software.

ALCOA+ für Daten

Neun Eigenschaften, an denen Inspektoren Datenintegrität messen.

Von Lars Bahlmann, Geschäftsführer · Aktualisiert am 30.07.2026

Computersystemvalidierung ist der dokumentierte Nachweis, dass ein System im regulierten Umfeld reproduzierbar das tut, was es soll: GAMP 5 sortiert dafür die Software, Annex 11 und 21 CFR Part 11 setzen den rechtlichen Rahmen, ALCOA+ beschreibt, wann Daten belastbar sind.

Wer in Pharma, Biotechnologie, Medizintechnik oder einem Prüflabor Verantwortung trägt, begegnet früher oder später einer Kette von Kürzeln: GxP, CSV, GAMP 5, Annex 11, ALCOA+. Sie stehen in Angeboten, Auditberichten und Projektplänen, als wären sie selbsterklärend. Dieser Ratgeber übersetzt sie in verständliche Sprache und zeigt, wie die Bausteine zusammenhängen. Wie badata die Infrastrukturseite davon in der Praxis umsetzt, lesen Sie auf der Seite zu GxP-konformer, validierter IT.

Was GxP bedeutet: GMP, GLP und GCP

GxP ist ein Sammelbegriff, das x ist ein Platzhalter. Gemeint sind die Regelwerke für gute fachliche Praxis in regulierten Bereichen. GMP (Good Manufacturing Practice) gilt für die Herstellung von Arzneimitteln und Wirkstoffen, in Europa über den EU-GMP-Leitfaden. GLP (Good Laboratory Practice) regelt nichtklinische Sicherheitsprüfungen im Labor. GCP (Good Clinical Practice) betrifft klinische Prüfungen am Menschen. Dazu kommen weitere Ausprägungen wie GDP für die Distribution.

So unterschiedlich die Bereiche sind, der Kern ist derselbe: Nicht das Ergebnis allein zählt, sondern der belegte Weg dorthin. In der Praxis läuft das auf einen Satz hinaus, den jeder Inspektor kennt: Was nicht dokumentiert ist, gilt als nicht geschehen. Sobald ein Computersystem an diesem Weg beteiligt ist, muss auch das System diesem Anspruch genügen.

Computersystemvalidierung und die GAMP-5-Kategorien

Computersystemvalidierung, kurz CSV, ist der dokumentierte Nachweis, dass ein computergestütztes System das tut, wofür es vorgesehen ist, und zwar reproduzierbar. Das ist kein einmaliger Test vor dem Start, sondern ein Lebenszyklus: Anforderungen festhalten, Risiken bewerten, spezifizieren, prüfen, formal freigeben, im Betrieb über Change-Control kontrolliert ändern und am Ende geordnet außer Betrieb nehmen.

GAMP 5 ist der dazugehörige Leitfaden der ISPE, seit der zweiten Auflage mit deutlicher Betonung von kritischem Denken und risikobasiertem Vorgehen. Er sortiert Software in Kategorien, damit der Aufwand zum Risiko passt:

  • Kategorie 1, Infrastruktur: Betriebssysteme, Datenbank-Engines, Hypervisor, Netz und Speicher. Diese Schicht wird qualifiziert, nicht validiert.
  • Kategorie 3, nicht konfigurierte Standardsoftware: wird so genutzt, wie sie geliefert wird. Geprüft wird die bestimmungsgemäße Verwendung.
  • Kategorie 4, konfigurierte Produkte: LIMS, MES oder Dokumentenmanagement, an Ihre Prozesse parametriert. Sie werden validiert, mit Schwerpunkt auf der Konfiguration.
  • Kategorie 5, individuelle Software: eigens entwickelte Anwendungen und Schnittstellen. Höchster Aufwand, weil auch die Entwicklung selbst betrachtet wird.

Daraus folgt die wichtigste Faustregel dieses Themas: Infrastruktur qualifiziert man, Anwendungen validiert man. Wer diese Grenze sauber zieht, klärt zugleich, welche Nachweise vom IT-Dienstleister kommen und welche beim Betreiber oder beim Softwarehersteller bleiben.

IQ, OQ und PQ: die Stufen der Qualifizierung

Hinter den drei Kürzeln stecken aufeinander aufbauende Prüfstufen. Die Installationsqualifizierung (IQ) belegt, dass ein System so aufgebaut und installiert ist wie spezifiziert: Hardware, Versionsstände, Konfiguration, Umgebungsbedingungen. Die Funktionsqualifizierung (OQ) belegt, dass es sich im vorgesehenen Bereich wie gefordert verhält, geprüft an Testfällen einschließlich Grenz- und Fehlerfällen, Berechtigungen, Protokollierung und Alarmen. Die Leistungsqualifizierung (PQ) zeigt schließlich, dass es das auch im echten Prozess tut, mit echten Daten, echten Anwendern und unter Alltagsbedingungen. Vorgelagert kann eine Designqualifizierung stehen, die belegt, dass das geplante Design überhaupt zu den Anforderungen passt.

Entscheidend ist die Form: Prüfprotokolle werden vorher geschrieben, Abweichungen dokumentiert und bewertet, die Freigabe erfolgt formal. Erst danach darf produktiv gearbeitet werden. Und der qualifizierte Zustand ist kein Dauerzustand: Jede Änderung durchläuft Change-Control mit Bewertung der GxP-Auswirkung, dazu kommt eine periodische Bewertung im festgelegten Turnus.

Annex 11, 21 CFR Part 11 und Datenintegrität nach ALCOA+

EU-GMP Annex 11 ist der europäische Anhang zu computergestützten Systemen. Er verlangt unter anderem Risikomanagement, eine Bewertung und formale Vereinbarung mit Lieferanten, eine geprüft wiederherstellbare Sicherung, einen Audit-Trail, geregelten Zugriff, periodische Bewertung und einen belastbaren Plan für den Ausfall. 21 CFR Part 11 ist das Gegenstück der US-Behörde FDA und regelt elektronische Aufzeichnungen und elektronische Unterschriften, also die Frage, wann eine elektronische Signatur einer handschriftlichen gleichsteht.

Beide stehen nicht in Konkurrenz, sie decken zwei Rechtsräume mit weitgehend gleichem Ziel ab. Wer für den europäischen und den US-Markt produziert, erfüllt beide, und die technischen Maßnahmen überschneiden sich stark.

ALCOA+ ist der Maßstab für Datenintegrität. Daten sollen zuordenbar, lesbar, zeitnah, im Original und korrekt sein, ergänzt um vollständig, konsistent, dauerhaft und verfügbar. Für die IT bedeutet das sehr Handfestes: persönliche Benutzerkonten statt Sammelzugängen, getrennte Rollen für Betrieb und Administration, eine synchronisierte Zeitquelle, geschützte und nicht überschreibbare Protokolle sowie eine Aufbewahrung, die zur Aufbewahrungsfrist Ihrer Aufzeichnungen passt. Ein Audit-Trail mit abweichenden Zeitstempeln lässt sich im Zweifel nicht verwerten. Ein Managementsystem nach ISO/IEC 27001 ist übrigens keine GxP-Anforderung, deckt aber viele der hier verlangten Kontrollen bereits strukturiert ab.

Häufige Fragen

Wofür steht das x in GxP?

Für einen Platzhalter. GxP fasst die Good-Practice-Regelwerke zusammen, vor allem GMP für die Herstellung, GLP für nichtklinische Laborprüfungen und GCP für klinische Prüfungen. Gemeinsam ist ihnen, dass der Weg zum Ergebnis lückenlos belegt sein muss.

Was ist der Unterschied zwischen Qualifizierung und Validierung?

Qualifiziert wird die Infrastruktur, also die Schicht aus Betriebssystem, Datenbank-Engine, Virtualisierung, Netz und Speicher, in GAMP 5 die Kategorie 1. Validiert wird die GxP-Anwendung darüber, typischerweise Kategorie 4 oder 5, weil dort die fachlichen Anforderungen und die Prozessrisiken liegen.

Wofür stehen IQ, OQ und PQ?

Installationsqualifizierung, Funktionsqualifizierung und Leistungsqualifizierung. Die IQ belegt den spezifikationsgemäßen Aufbau, die OQ das geforderte Verhalten im vorgesehenen Bereich, die PQ das Funktionieren im realen Prozess mit echten Daten und Anwendern.

Brauche ich Annex 11 und 21 CFR Part 11 gleichzeitig?

Das hängt von Ihren Märkten ab. Annex 11 gilt im europäischen GMP-Umfeld, 21 CFR Part 11 für den US-Markt der FDA. Wer beide Märkte bedient, erfüllt beide Regelwerke. Die technischen Maßnahmen dahinter, etwa Zugriffskontrolle und Audit-Trail, überschneiden sich weitgehend.

Was bedeutet ALCOA+ konkret?

Datensätze müssen zuordenbar, lesbar, zeitnah, im Original und korrekt sein, dazu vollständig, konsistent, dauerhaft und verfügbar. In der IT übersetzt sich das in persönliche Konten, synchronisierte Zeit, geschützte Protokolle und eine passende Aufbewahrung.

Reicht eine ISO-27001-Zertifizierung für GxP aus?

Nein. ISO/IEC 27001 ist ein Managementsystem für Informationssicherheit und ersetzt weder Qualifizierung noch Validierung. Sie schafft aber eine geordnete Grundlage, weil viele Anforderungen aus Annex 11 an Zugriff, Protokollierung und Notfallvorsorge dort bereits geregelt und extern geprüft sind.

Fragen zur validierten IT?

Wir ordnen mit Ihnen ein, welche Nachweise ein IT-Dienstleister liefern kann und welche bei Ihnen bleiben. badata betreibt dafür eigene Infrastruktur in drei nach ISO/IEC 27001 zertifizierten Rechenzentren in Bremen.

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